Biografie
Shaul Bustan ist ein vielseitiger Künstler, der sich als Komponist und Dirigent selbstverständlich zwischen Kulturen und Genres bewegt. Geboren wurde er 1983 in einem kleinen Kibbuz in der Negev-Wüste im Süden Israels. Er wuchs zwischen zwei Kulturen auf, der persischen Herkunft seiner Mutter und dem osteuropäischen Hintergrund seines Vaters. Diese Prägung beeinflusste ihn persönlich wie musikalisch.
Heute lebt Shaul im Norden Deutschlands, nah an Wasser und Wald. Diese Landschaft und ihre Ruhe sind inzwischen ein fester Teil seiner Musik geworden und prägen seine Kompositionen spürbar.
„Möwen kreisen über einem Klangteppich aus Fördewellen. Ein Schiff kommt. Es brummt, schiebt sich ins Klangfeld, das sich weitet, bewegt, verdichtet. (…) Wir hören, wie ein Ort atmet.“ kulturkanal.sh
Nach seinem Masterabschluss in klassischer Komposition an der Jerusalem Academy of Music and Dance im Jahr 2009 komponiert Shaul für viele Formate: von Oper und Kammermusik über Orchesterwerke bis hin zu Musik für Film, Theater und Tanz. Seine Werke entfalten sich oft als Dialog zwischen klar geformter Struktur und offener Improvisation, geerdet und zugleich lebendig. Aufgeführt wurden sie unter anderem vom Israel Philharmonic Orchestra, dem Sinfonieorchester Wuppertal, dem Deutschen Kammerorchester Berlin, dem EOS Kammerorchester Köln und dem Jewish Chamber Orchestra Hamburg, dirigiert unter anderem von Omer Meir Wellber, Patrick Hahn und Susanne Blumenthal. Für Avi Avital und Giora Feidman schrieb er zahlreiche Bearbeitungen.
Prägend war das Studium bei dem Komponisten und Dirigenten Aharon Harlap, einem Schüler von Hans Swarowsky, bei dem sich Shaul zwei Jahre lang neben der Komposition auch dem Dirigieren widmete. Seitdem gehört das Dirigieren für ihn zum Komponieren dazu. 2021 gründete er das Ensemble Flensburg, ein grenzüberschreitendes Ensemble für kommunikative Neue Musik, das er seitdem künstlerisch leitet. Seit dem ersten Konzert im Oktober 2022 hat er mit dem Ensemble 14 Uraufführungen dirigiert, darunter Werke von Ceren Türkmenoğlu, Khadija Zeynalova und Kenneth Dahl Knudsen. Ab dem Wintersemester 2026/27 dirigiert er außerdem das Junge Ensemble Flensburg, das neue Kammerorchester der Europa-Universität Flensburg.
Seine musikalischen Wurzeln liegen im Instrumentalspiel. Nach einem Bachelor im Fach Mandoline war Shaul viele Jahre als Instrumentalist tätig, mit Schwerpunkt auf Zupfinstrumenten und Kontrabass. Heute spielt er vor allem in besonderen Projekten mit eigener Musik die Oud, eine nahöstliche Kurzhalslaute. So trat er 2023 bei der Uraufführung seines Orchesterwerks Winter mit dem Deutschen Kammerorchester Berlin im Großen Saal der Berliner Philharmonie als Solist auf, und mit seinem Trio war er beim Schleswig-Holstein Musik Festival und im Radialsystem Berlin zu hören. Mit seinem Leitfaden How to Write for Oud ermutigt er Komponist:innen, neue Musik für das Instrument zu schreiben.
Zu Shauls künstlerischer Arbeit gehört ebenso die Musikpädagogik. Seit über zwanzig Jahren leitet er Chöre und Amateurorchester, gibt Workshops und baut musikalische Gemeinschaften auf, die von Zusammenhalt und Neugier leben. In den letzten Jahren hat er viele Projekte in den hohen Norden gebracht, allen voran die Weltivale (2024), ein Mini-Festival für Neue Weltmusik in Flensburg. Mit seiner gemeinnützigen Organisation Tacheles Kultur ruft er neue Kulturprojekte ins Leben und holt international renommierte Künstler:innen in die Stadt. Parallel arbeitet Shaul an seinem ersten Buch über Komposition, I, Compose?! (AT), einem freundlichen und zugänglichen Leitfaden, der Amateure, Studierende und professionelle Musiker:innen dabei unterstützt, selbstbewusst die ersten Schritte im Komponieren zu gehen.
Für seine Arbeiten erhielt er mehrere Auszeichnungen, u. a. den 1. Preis beim International Tapiola Choir Choral Composition Competition (Finnland, 2020), Beste Musik beim International Film Festival of Ahmednagar (Indien, 2021) und den Avni-Yaddor Kompositionspreis (Israel, 2008). Gefördert wurde er unter anderem vom Deutschen Musikfonds, dem Deutschen Musikrat, der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein und der America-Israel Cultural Foundation.
Durch all sein Tun zieht sich ein roter Faden: Shauls tiefe Überzeugung, dass Musik ferne Welten einander näherbringen kann, nicht indem sie Unterschiede auslöscht, sondern indem sie sie mit Ehrlichkeit, Offenheit und Freude miteinander sprechen lässt.
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Laura Burghardt
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